Der
Geburtsstunde der Verbandsgemeinde Wöllstein im Jahr 1972 ging eine
breit angelegte Gebiets- und Verwaltungsreform im Land Rheinland-Pfalz
voraus. Durch das 2. Landesgesetz über die Verwaltungsvereinfachung im
Land Rheinland-Pfalz vom 16. Juli 1968 wurden der Regierungsbezirk
Rheinhessen mit Sitz in Mainz und der Regierungsbezirk Pfalz mit Sitz in
Neustadt aufgelöst und zu einem neuen Regierungsbezirk
Rheinhessen-Pfalz mit Sitz in Neustadt a. d. Weinstraße zusammengelegt.
Im Zuge dieser Gebietsreform wurden auch die Landkreise neu
geordnet. So entstand aus Teilen der Landkreise Alzey und Worms der neue
Landkreis Alzey-Worms.
Auf der gemeindlichen Ebene folgte diesen Gebietsänderungen eine
Verwaltungsreform mit dem Ziel der Bildung von Verbandsgemeinden. Im
Vorfeld dieser anstehenden Neugliederung wurden hinsichtlich der Bildung
der Verbandsgemeinde Wöllstein mit den umliegenden Gemeinden auf
kommunaler Ebene viele Gespräche geführt. Dabei ging es unter anderem um
die Frage, welche Gemeinden sich zu diesem neuen „Gebilde“
zusammenschließen sollten. Die Interessenslagen der einzelnen
Ortsgemeinden waren von so unterschiedlicher Art, dass letztendlich die
Verhandlungen nicht zu einer freiwilligen Bildung der Verbandsgemeinde
Wöllstein geführt haben.
Der rheinland-pfälzische Landtag hat in §12 des 13. Landesgesetzes
über die Verwaltungsvereinfachung im Land Rheinland-Pfalz vom 01. März
1972 (GVBl. S. 115) die Bildung der Verbandsgemeinde Wöllstein aus den
Gemeinden Eckelsheim, Gau-Bickelheim, Gumbsheim, Siefersheim,
Stein-Bockenheim, Wendelsheim, Wöllstein und Wonsheim nach Anhörung der
beteiligten Gemeinden beschlossen und die Gemeinde Wöllstein als Sitz
der Verwaltung bestimmt. Zugleich hat der Landtag die Wahl der
Verbandsgemeindevertretung auf den 23. April 1972 festgelegt. Das
vorgenannte Landesgesetz trat am 22. April 1972 in Kraft.
Dieser Tag ist der „Geburtstag“ der Verbandsgemeinde Wöllstein.
Mit der Bildung der Verbandsgemeinde Wöllstein war eine
Verwaltungseinheit in Rheinhessen entstanden, mit der sich die
Bevölkerung erst nach und nach vertraut machen musste.
Es stellte sich nun als vordringliche Aufgabe des Bürgermeisters,
eine effiziente und bürgernahe Verwaltung aufzubauen und das
erforderliche Personal einzustellen.
Dies war schwierig, zumal es an vorhandenem Fachpersonal mangelte.
Auch waren noch keine Verwaltungsräume vorhanden.
Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Justizministerium in Mainz
wurde erreicht, dass der Verbandsgemeinde Wöllstein Büroräume im 1.
Obergeschoss des Amtsgerichtsgebäudes zur Verfügung gestellt wurden.
Am 01. Oktober 1972 konnte der Verwaltungsbetrieb aufgenommen
werden. Die Verwaltung selbst war jedoch noch nicht autorisiert,
Aufgaben wahrzunehmen. Das Landratsamt in Alzey-Worms musste erst durch
nachstehende Rechtsverordnung der neuen Verbandsgemeindeverwaltung diese
Legitimation übertragen:
Rechtsverordnung
Das Landratsamt Alzey-Worms als zuständige Aufsichtsbehörde erlässt folgende Rechtsverordnung:
§1: Vom 01. Januar 1973 ab sind von der
Verbandsgemeindeverwaltung Wöllstein folgende Aufgaben wahrzunehmen:
1. Die Kassen- und Rechnungsgeschäfte der verbandsangehörigen Gemeinden,
2. die Veranlagung und Erhebung der gemeindlichen Abgaben,
3. die Auftragsangelegenheiten einschließlich der Standesamtsaufgaben,
4. die übrigen Aufgaben der Verbandsgemeinde,
§2: Vom 01. Januar 1973 ab wird ein neuer Standesamtsbezirk für das
Gebiet der Verbandsgemeinde Wöllstein gebildet. Gleichzeitig werden die
bisherigen Standesamtsbezirke Eckelsheim, Gau-Bickelheim, Gumbsheim,
Siefersheim, Stein-Bockenheim, Wendelsheim, Wöllstein und Wonsheim
aufgelöst.
§3: Diese Verordnung tritt am 1. Januar 1973 in Kraft.
Alzey, den 13. Dezember 1972
Landratsamt Alzey
Rhein, Landrat
Nun begann der Verwaltungsalltag für die junge Verbandsgemeinde.
Zugleich musste der Aufbau der Verwaltung zügig vorangehen. Mit zwei
Mitarbeitern aus dem Kreis Bad Kreuznach und mit dem übernommenen
Personal aus den Ortsgemeinden wurden die ersten „Gehversuche“
unternommen.
Durch die Auflösung des Amtsgerichts Wöllstein im Jahr 1975 konnte
die Verbandsgemeinde das Gebäude vom Land erwerben. Damit waren die
anfänglichen räumlichen Schwierigkeiten behoben. Durch Sanierungs- und
Modernisierungsarbeiten wurde das repräsentative Gebäude zu einer
Bereicherung im Ortsbild der Gemeinde Wöllstein.
Der Verbandsgemeinderat, der zunächst in der Aula der Volksschule
tagen musste, hat nunmehr im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes eine
feste Bleibe.
Mit dem Zusammenschluss der acht Ortsgemeinden zu der neuen
Verwaltungseinheit (Verbandsgemeinde) war auch für die Ortsbürgermeister
ein „Umdenken“ erforderlich geworden.
Diese hatten nunmehr die Möglichkeit, sich einer hauptamtlich geführten Verwaltung zu bedienen.
Einen entscheidenden Eingriff in die Rechte der Ortsgemeinden
vollzog der Gesetzgeber mit der Aufgabenübertragungsverordnung zum 01.
Januar 1975. Aus dem Zuständigkeitsbereich der Ortsgemeinden sind
folgende Aufgaben auf die Verbandsgemeinde übergegangen:
Die Schulträgerschaft für Grund- und Hauptschulen nach dem
rheinland-pfälzischen Schulgesetz, der Brandschutz und die Technische
Hilfe, die zentralen Sport-, Spiel- und Freizeitanlagen, überörtliche
Sozialeinrichtungen, die Wasserversorgung, die Abwasserbeseitigung sowie
der Ausbau und die Unterhaltung der Gewässer III. Ordnung. Es handelt
sich hierbei um eigene Selbstverwaltungsaufgaben, welche die
Verbandsgemeinde anstelle der Ortsgemeinden wahrzunehmen hat.
Eine besonders wichtige und zukunftsorientierte Aufgabe war die Übertragung der Flächennutzungsplanung auf die Verbandsgemeinde.
Mit der Bildung der Verbandsgemeinde wurden die Vorstellungen von
bürgernaher Verwaltung und gesteigerter Effizienz auf einen besonderen
Prüfstein gestellt. Die Verbandsgemeinde stellte sich dieser
Herausforderung, setzte die ihr übertragenen Aufgaben zügig um und
entwickelte sich zu einem modernen Dienstleistungsbetrieb.
Wappenbeschreibung
Die
Verbandsgemeinde Wöllstein erhielt 1978 die Genehmigung, ein eigenes
Wappen zu führen. Das Wappen wurde von Herrn Prof. Leitermann entworfen.
Die Beschreibung lautet wie folgt:
In von Blau und Gold vierfach geständertem Schildbord in
viergeteiltem Schild oben rechts in Rot ein silbernes sechsspeichiges
Rad, oben links in silbernem mit acht blauen Kreuzen bestreutem Feld ein
steigender rotgekrönter und rotbewehrter blauer Löwe, unten rechts in
Gold ein roter Reichsapfel und unten links in Blau eine hängende goldene
Traube mit zwei goldenen Blättern.
Die Gestaltung des Wappens wird historisch begründet:
Von den acht der Verbandsgemeinde zugeordneten Gemeinden gehörte die
Hälfte am Ende des 18. Jahrhunderts zum größten Teil zu Kurmainz. Es
sind Eckelsheim, Gau-Bickelheim, Gumbsheim und Wöllstein, die ein
silbernes Rad in Rot, das so genannte „Kurmainzer Rad“ im Wappen
führten. Eckelsheim, Gumbsheim und Wöllstein waren noch zur Hälfte im
Besitz von Nassau-Saarbrücken, worauf der silberne Löwe in Blau, das
Wappentier von Nassau-Saarbrücken, neben dem Mainzer Rad in den
Ortswappen hinweist. Deshalb stehen im VG-Wappen die Wahrzeichen von
Kurmainz und Nassau-Saarbrücken in den beiden oberen Feldern.
Siefersheim, Wendelsheim und Wonsheim zeigen in ihren Ortswappen unter
anderem noch als Hinweis auf ihre ehemalige teilweise Zugehörigkeit zur
Kurpfalz deren Wappentier, den goldenen Löwen in Schwarz, Wonsheim
zusätzlich in Gold einen roten Reichsapfel, ebenfalls als Kurpfälzer
Wahrzeichen. Deshalb in Feld drei der Reichsapfel.
Charakteristisch für alle Gemeinden ist der Weinbau als ihr
wirtschaftlicher Hauptfaktor, der deshalb in Feld vier als
„Neuschöpfung“ in Form einer Weintraube ins Wappen aufgenommen worden
ist.